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Geschwister Scholl

Geschwister School

 

Hans Scholl wurde am 22.09.1918 in Forchtenheim / Württemberg und Sophie Scholl am 09.05.1921 in Ingersheim / Württemberg geboren. Sie waren Widerstandskämpfer.


Am 18.02.1943 verteilten sie in der noch leeren Münchener Universität das Flugblatt, indem es hieß: „ Der deutsche Name bleibt für immer geschändet, wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, ihre Peiniger zerschmettert und ein neues geistiges Europa aufrichtet."


Dafür wurden die Geschwister am 22.02.1943 zum Tode verurteilt und am gleichen Tag in München hingerichtet.

 

Die Geschwister Scholl

Das Elternhaus

Es war eine bildungsbürgerliche Welt, in die Hans ( geb. am 22. 9. 1918) und Sophie Scholl (geb. am 9. 5. 1921) und drei weitere Geschwister hineingeboren wurden, in Ingersheim an der Jagst bzw. Forchtenberg am Kocher, wo Vater Robert Bürgermeister war. Die Beschäftigung mit Literatur, Kunst und Musik bildete einen selbstverständlichen Teil des Lebens. Dabei war das Elternhaus keineswegs unpolitisch. Schon zu Beginn des 1. Weltkriegs hatte sich der Vater gegen die allgemeine Kriegsbegeisterung gewandt, nach dem Kriege akzeptierte er - im Gegensatz zu vielen Bürgerlichen - die neue Republik. Seine liberale Überzeugung praktizierte er auch in der Erziehung, wo Selbständigkeit, eigenes Urteil, Entscheidungsfreiheit Maximen für die Entwicklung der Kinder waren. Die Mutter Magdalene, geb. Müller, eine ehemalige Diakonissenschwester, dem praktischen Leben zugewandt, steuerte die soziale Orientierung bei. 1930 wurde Vater Robert, offenbar wegen seiner liberalen Haltung, als Bürgermeister von Forchtenberg nicht wiedergewählt, die Familie zog nach Ludwigsburg, 1932 nach Ulm; der Vater machte sich als Steuer- und Wirtschaftsberater selbständig.

Im Bann des Nationalsozialismus

In Ulm erlebte die Familie die Machtergreifung der Nazis. Während der Vater mit Bestürzung reagierte ("Glaubt ihnen [den Nazis"] nicht, sie sind Wölfe und Bärentreiber, und sie missbrauchen das deutsche Volk schrecklich!") und Hitler mit dem Rattenfänger von Hameln verglich, ließen sich die Kinder zunächst von dem Neuen in den Bann ziehen und traten nacheinander den NS-Jugendorganisationen bei. Es war das Gemeinschafts- und Naturerlebnis in den Gruppen, die patriotische Begeisterung, die sie zunächst manches andere übersehen ließen.

Der Bruch mit dem System

Erste Zweifel kamen bei Sophie auf, als sie die Judendiskriminierung bewusst wahrnahm und sich aus Gerechtigkeitsgefühl weigerte, die Beziehung zu einer jüdischen Mitschülerin abzubrechen. Für ihren älteren Bruder Hans waren es mehrere Schritte, die die Entfremdung zum System markierten: das Verbot, von seinen Führern ausgesprochen, russische Volkslieder auf der Gitarre zu spielen und den jüdischen Autor Stefan Zweig zu lesen, der stupide Drill, den er etwa auf dem Nürnberger Parteitag 1936 erlebte und von dem er zunehmend erkannte, dass es ein Mittel zur Entpersönlichung des einzelnen war. Zum offenen Bruch kam es, als Hans mit einem seiner Führer über die Gestaltung einer Fahne in Streit geriet und ein junger Lehrer seiner Schule ins KZ eingeliefert wurde. Hans suchte nun Kontakt zu den Mitgliedern der inzwischen verbotenen "Deutschen Jungenschaft", einer Jugendgruppe, die im Gegensatz zu vielen anderen rein naturromantisch orientierten Gruppen der Weimarer Zeit auch starke kulturelle und sozialkritische Ambitionen hatte. Sophie und die anderen Geschwister beteiligten sich zwar kaum an dieser Gruppenarbeit, wurden aber stark über ihren Bruder beeinflusst - was auch bei Sophie dann zum Bruch mit ihrer bisherigen Jugendgruppe führte. In einer Nacht- und Nebelaktion holte die Gestapo im November 1937 zum Schlag gegen diese Jungenschaft aus, vier der Scholl-Geschwister kamen vorübergehend ins Gefängnis, Sophie für wenige Stunden, Inge und Werner für acht Tage, Hans für fünf Wochen, wobei es für ihn nur durch die Fürsprache seines militärischen Vorgesetzten - Hans war nach dem Abitur an der Oberrealschule in Ulm inzwischen Soldat - so glimpflich endete.

Die Gründung einer Widerstandsgruppe

Im Frühjahr 1939 konnte Hans als Mitglied einer Studentenkompanie mit dem Medizinstudium in München beginnen, im Sommer 1940 machte er als Sanitätsfeldwebel den Frankreichfeldzug mit, von Juli bis Oktober 1942 war er zum Sanitätsdienst an der Ostfront abgestellt. Es waren diese Kriegserfahrungen, besonders der Vernichtungsfeldzug von SS und Teilen der Wehrmacht im Osten, die ihm vollends die Augen über das NS-System öffneten. Kaum weniger bedeutsam war aber auch der Freundeskreis, den er in München kennen lernte: u. a. die Mitstudenten Christoph Probst, Alexander Schmorell, der Saarländer Willi Graf, Traute Lafrenz, der Musikwissenschaftler und Philosophieprofessor Kurt Huber, der Architekt Eickemeyer, der Buchhändler Söhngen. Man traf sich in Weinstuben, Cafés, zu Hause, im Atelier Eickemeyer und suchte in Büchern und Gesprächen nach Orientierung. Dabei waren die Bücher, die sie interessierten, kaum in Buchläden zu kaufen oder in Bibliotheken auszuleihen. Sie fanden sie im Antiquariat oder auch unter dem Ladentisch von Söhngen. Besonders wichtig wurden die Franzosen des sog. "Renouveau Catholique": Paul Claudel, der in seinem "Seidenen Schuh" allen Völkern, Rassen und Hautfarben gleichen Wert zuerkennt, Bernanos, Maritain, Bloy, die eine Erneuerung des Glaubens von den Ursprüngen her anstrebten. Aber auch persönliche Kontakte zu kritischen Philosophen wie Alfred von Martin, Josef Furtmeier, Theodor Haecker und andererseits die Lektüre von Autoren der Vergangenheit wie Dostojewski, Kierkegaard, Thomas von Aquin und Augustinus spielten eine Rolle. All dies führte die jungen Leute in Richtung eines gelebten Christentums und einer freiheitlichen Staatsauffassung, mit Sicherung der Rechte des einzelnen, mit Gewaltenteilung als Grundprinzip der Verfassungskonstruktion, die in so offenem Widerspruch zu den tatsächlichen Verhältnissen stand. Und der Gedanke, Widerstand leisten zu müssen, wurde immer drängender. Als Hans im Frühjahr 1942 in hektographierter Form Predigten des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen zugeschickt bekam (in denen dieser die Gewaltmaßnahmen gegen die Kirche geißelte und das Euthanasieprogramm der Nazis scharf verurteilte), war für ihn die Form des Widerstands gefunden: in Flugblättern musste man sich an die Bevölkerung wenden, sie aufklären und wachrütteln.

Sophies Weg in den Widerstand

Auch Sophie beschäftigte sich in dieser Zeit, kurz vor und nach dem Abitur, intensiv mit philosophischen und theologischen Fragen und fand ähnlich wie ihr Bruder zu einem sehr persönlich gestimmten Christentum. Die Freundschaft mit dem vier Jahre älteren Berufsoffizier Fritz Hartnagel, der zwar auch in Distanz zum NS-System stand, im übrigen aber alles Militärische sehr unkritisch sah, war für sie eine ständige Herausforderung. In der Hoffnung, dem Reichsarbeitsdienst zu entgehen, leistete Sophie nach dem Abitur im Frühjahr 1940 eine Kindergärtnerinnenausbildung ab; dennoch wurde sie 1941 dienstverpflichtet und anschließend noch zum Kriegshilfsdienst herangezogen. Erst im Mai 1942 konnte sie ihr Studium (Philosophie und Biologie) an der Universität München beginnen. Ihr Bruder Hans machte sie mit seinem Freundeskreis bekannt, und Sophie beteiligte sich, sobald das erste Flugblatt der "Weißen Rose" erschienen und sie in die Widerstandstätigkeit eingeweiht war, ohne Einschränkung an den Aktivitäten der Gruppe.